Forschung

Forschung

Die Forschungsschwerpunkte des Fachgebiets liegen im deutschen und europäischen Gesellschaftsrecht, im Bank- und Kapitalmarktrecht sowie auf den zivilrechtlichen Aspekten des Technikrechts. Da Frau Professor Dr. Janine Wendt Vorstandsvorsitzende der an der TU Darmstadt verorteten Stiftung zur Erforschung des Stiftungsrechts ist, befasst sich das Fachgebiet zudem mit diesem.

Deutsches und europäisches Gesellschaftsrecht:

Im Gesellschaftsrecht liegt ein besonderer Interessenschwerpunkt auf den Schlagworten „Compliance“ und „Regulierung“. Obwohl bereits vor mehr als zehn Jahren eine erste Welle des Compliance-Versagens durch Banken und Industriekonzerne ging, hat sich der Kulturwandel im Management noch nicht vollzogen. So steht erneut eine strengere Regulierung bevor, welche die Unternehmen zu funktionierenden Compliance-Management-Systemen bewegen soll. Bereits heute erweisen sich die Regelverstöße der Unternehmen nicht selten als existenzbedrohend.

Neben der Grundübereinkunft, sich an Regeln zu halten, und den entsprechenden Maßnahmen zur Sicherstellung einer rechtmäßigen Unternehmensleitung befasst sich das Fachgebiet mit dem darüber hinausgehenden Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR). Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) wird der Frage nachgegangen, ob Unternehmen per Anreizwirkung zu „good corporate citizens“ werden können. Hierbei steht auch die Vergütungspolitik von Vorstand und Aufsichtsrat auf dem Prüfstand.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist schließlich das Recht der Hauptversammlung, das in Ausschnitten aus österreichischer Perspektive rechtsvergleichend kommentiert wird (Münchener Kommentar zum Aktiengesetz, 3. Band, §§ 119-121, 126-130, 137-138 AktG).

Bank- und Kapitalmarktrecht:

Im Bank- und Kapitalmarktrecht gilt das besondere Interesse dem Regelungsziel des Anlegerschutzes. Hier stehen Fragen zu dem Verhältnis von Anleger- und Verbraucherschutz und den dahinter stehenden Leitbildern im Vordergrund. Es gilt, das aktuell noch vorherrschende Informationsmodell kritisch zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen. Niederschlag findet diese Forschung etwa in dem von mir mit herausgegebenen Kommentar zur europäischen PRIIPS-Verordnung zum Basisinformationsblatt für verpackte Anlageprodukte, der Anfang 2018 im Nomos Verlag erscheinen wird.

Zudem gilt die Aufmerksamkeit modernen Finanzierungsformen (FinTech) und den hier voraussehbaren Änderungen auf rechtlicher Ebene. Neben den klassischen bank- und kapitalmarktrechtlichen Themen finden diese Eingang in das 2018 im De Gruyter Verlag erscheinende Lehrbuch zum Finanzmarktrecht.

Technikrecht:

Auch im Technikrecht steht der rechtliche Umgang mit Innovationen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses: Die Anforderungen, die an Produkte gestellt werden, werden – ebenso wie die Produkte selbst – stetig komplexer. Damit wächst die Verantwortung der Entwickler und Hersteller, die dafür haften, dass die von ihnen in Verkehr gebrachten Produkte sicher sind. Technische Produkte und Systeme, die sich ohne menschliches Zutun an veränderte Umfeldbedingungen anpassen (smart products), stellen die Produkt- und Produzentenhaftung vor neue rechtliche Herausforderungen. Entsprechend bildet die Product Compliance im Kontext der Digitalisierung einen weiteren Forschungsschwerpunkt unseres Fachgebietes.

Dieser Schwerpunkt wird gemeinsam mit Kollegen aus den Fachbereichen Maschinenbau und Mathematik im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 805 bearbeitet.

Stiftungsrecht:

An der TU Darmstadt ist die Stiftung zur Erforschung des Stiftungsrechts angesiedelt, deren Vorstandsvorsitz Frau Professor Dr. Janine Wendt 2015 von Professor Dr. Dr. Uwe H. Schneider übernommen hat. Im Stiftungsrecht wird angesichts der anhaltenden Niedrigzinsperiode der Wunsch nach einer Reform der Rechtslage laut. Grundsätzlich haben Stiftungen das Potential, Innovationstreiber zu sein. Das Kapital ist vorhanden. Die Zahl der deutschen Stiftungen hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt, ihr Vermögen hat sich von 1994 bis 2004 vervierfacht. Zu oft aber zeigen sich Stiftungen dennoch wenig handlungsfähig. In Verbindung mit der Zinspolitik erweist sich die derzeitige Rechtslage als innovationshemmend. Hier gilt es, Alternativen aufzuzeigen.