Forschung

Forschung

Die Forschungsschwerpunkte des Fachgebiets liegen im deutschen und europäischen Gesellschaftsrecht, im Finanzmarktrecht sowie im Recht digitaler autonomer Systeme.

Gesellschaftsrecht:

Im Gesellschaftsrecht liegt ein Interessenschwerpunkt auf den Schlagworten „Compliance“ und „Regulierung“. Neben der Grundübereinkunft, sich an Regeln zu halten, und den entsprechenden Maßnahmen zur Sicherstellung einer rechtmäßigen Unternehmensleitung befasst sich das Fachgebiet mit dem darüber hinausgehenden Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR). Hierbei wird u.a. der Frage nachgegangen, ob Unternehmen per Anreizwirkung zu „good corporate citizens“ werden können. Auch die Vergütungspolitik von Vorstand und Aufsichtsrat steht auf dem Prüfstand.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist schließlich das Recht der Hauptversammlung, das in Ausschnitten aus österreichischer Perspektive rechtsvergleichend kommentiert wird (Münchener Kommentar zum Aktiengesetz, 3. Band, §§ 119-121, 126-130, 137-138 AktG).

Finanzmarktrecht:

Im Finanzmarktrecht gilt das besondere Interesse dem Regelungsziel des Anlegerschutzes. Hier stehen Fragen zu dem Verhältnis von Anleger- und Verbraucherschutz und den dahinter stehenden Leitbildern im Vordergrund. Es gilt, das aktuell noch vorherrschende Informationsmodell kritisch zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen. Niederschlag findet diese Forschung etwa in dem von mir mit herausgegebenen Kommentar zur europäischen PRIIP-Verordnung, der im Juni 2020 im Nomos Verlag erscheinen wird.

Zudem gilt die Aufmerksamkeit modernen Finanzierungsformen (FinTech) und den hier voraussehbaren Änderungen auf rechtlicher Ebene. Neben den klassischen bank- und kapitalmarktrechtlichen Themen werden diese Eingang in ein Lehrbuch zum Finanzmarktrecht finden, das ich derzeit vorbereite.

Das Recht digitaler autonomer Systeme:

Im Recht der digitalen autonomen Systeme steht der rechtliche Umgang mit Innovationen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses: Selbstlernende Systeme beenden das Monopol des Menschen auf rationale Entscheidungen, die unter Unsicherheitsbedingungen getroffen werden. Technische Produkte und Systeme, die sich ohne menschliches Zutun an veränderte Umfeldbedingungen anpassen, werden zu einer Neuverteilung der Haftungslasten zwischen Hersteller und Nutzer führen, eventuell auch unter Hinzunahme neuer Träger haftungsrechtlicher Verantwortung. Zudem stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein selbstlernendes System überhaupt als fehlerhaft zu qualifizieren ist. Dieser Forschungsschwerpunkt wird gemeinsam mit Kollegen aus den Fachbereichen Maschinenbau und Mathematik im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 805 bearbeitet.

Ein zweites Forschungsprojekt namens RoboTrust widmet sich – ebenfalls in großer Interdisziplinarität u.a. mit Kollegen aus der Informatik – der verantwortungsvollen Gestaltung der Mensch-Roboter-Interaktion mit anthropomorphen Dienstleistungsrobotern. Seit einigen Jahren bereits werden menschenähnliche Roboter in verschiedenen Branchen eingesetzt. Große Potenziale bestehen in der Kundenbetreuung sowie in Berufen, in denen menschliche Dienstleister aufgrund des Fachkräftemangels überlastet sind. Durch ihre besondere physische Präsenz können anthropomorphe Roboter eine emotionale Bindung zu menschlichen Nutzern aufbauen. Die Verbindung von Software und Maschine gibt der Robotik allerdings auch die Macht zur physischen Verletzung von Körper und Eigentum.

Aus rechtlicher Perspektive erforscht RoboTrust die Grundlagen für eine authentische und akzeptable Mensch-Roboter-Interaktion unter Berücksichtigung der Aspekte Verantwortung und Haftung sowie Privacy.